Blecharbeiten

Wir leben im Zeitalter der Konservenbüchsen. Was das für die Volkswirtschaft und für die Volksernährung zu bedeuten hat, soll hier nicht untersucht werden. Nur vom Standpunkt des Bastlers soll einmal festgestellt werden, was sich aus diesen Verhältnissen ergibt.
Meist sind es gut verzinnte Weißblechbüchsen, die sich jetzt in großer Zahl in jeder Küche ansammeln, wenn sie nicht gleich dem Weg in den Kehrichteimer finden. Dass das nicht geschieht, ist die erste wichtige Aufgabe für den Bastler des Hauses. Sodann hat er aber dafür zu sorgen, dass die leeren Dosen nicht ungereinigt daliegen, Platz versperren und mit ihren scharfen Ränder noch für die Finger der Köchin gefährlich werden. Deshalb sorgt er zunächst für gründliche Reinigung, zu der meist warmes Wasser genügt. Außerdem nimmt er die Büchsen auseinander oder schneidet wenigstens die Ränder glatt, wenn er später die Dosenform als solche schon nützlich verwenden kann.

 

Um die Büchse zweckmäßig zu zerlegen, schneidet man zunächst die runden Wülste von Deckel und Boden auf. Ob man dabei einen Büchsenöffner, eine Blechschere, eine Beißzange oder einen Meißel verwendet, die Hauptsache ist, dass man möglichst wenig Abfall hat. Die übrig gebliebenen Zylinder schneidet man an der Lötnaht auf und erhält so eine schöne rechteckige Blechtafel, die man glattstreicht. So zerlegt nehmen die Büchsen wenig Platz weg, sind für alle vorkommenden Bastelarbeiten gebrauchsfertig und stellen damit wieder einen wirklichen Wert, keinen Abfall mehr da.

Zum Glattstreichen der Blechtafel ist eine gute Unterlage notwendig. Der Fachmann hat dazu eine Richtplatte. Wir müssen uns mit irgend einem Stück einer Eisenplatte behelfen oder ein mit starkem Eisenblech bespanntes Hartholzbrett verwenden. Das nun folgende Hämmern des Bleches soll recht sorgfältig, vor allem nicht zu heftig erfolgen und nie eine Stelle zweimal treffen.
Wer in der Herstellung von Blechwaren noch keine Übung besitzt, zeichnet sich die einzelnen Stücke nicht sofort auf die Tafel, sondern auf Papier, schneidet sie mit der Schere aus und probiert dann durch Biegen und Kneifen, ob alle Kanten zusammenpassen, ob genügend Fälze zum Löten, Falzen oder Nieten vorhanden sind und ob die einzelnen Stücke gut zueinander stimmen. Diese Papierschablonen aus kräftigen Papier kann man dann aufbewahren und danach später genau gleichgroße Ergänzungsstücke herstellen.
Auf das Blech zeichnet man dann nach der Schablone, unter Benutzung von Lineal und Winkel, mit einer Reißnadel oder einem Messingsstift die auszuschneidende Umrisse und die zu berechnenden Kanten genau auf. Dabei achtete man darauf, dass man die einzelnen Stücke so nebeneinander setzt, dass möglichst wenig Abfälle entstehen. Der Raum muss also so gut wie möglich ausgenutzt werden. Das kann man bei der Verwendung von Schablonen besonders einfach durchführen.
Die Bleche kann man mit einer kräftigen Papierschere schneiden. Doch werden deren Schneiden nicht besser davon. Wer häufiger Blecharbeiten herzustellen beabsichtigt, scheue die Auslagen für eine richtige Blechschere nicht, zumal mit ihr auch härtere und dickere Bleche geschnitten werden können. Im allgemeinen werden nur gerade Schnitte ausgeführt. Um einen Kreis auszuschneiden, wählt man die Schnitte erst im Vier-oder Sechseck, nimmt dann nach und nach die größten Ecken weg, bis zuletzt der außerhalb der aufgezeichneten Linie verbleibende Rand so dünn ist, dass er beim Rundschneiden des letzten Streifens nachgibt. Härtere Bleche werden mit einem kurzen Meißel auf einer Hartholz- oder Bleiunterlage weggemeißelt. Auch mit der Laubsäge kann man bekanntlich Blech zerteilen. Sie leistet besonders dann gute Dienste, wenn es sich um verschlungenen, eingebuchte und abgerundete Linien handelt. Alle scharfen Ränder, alle Unebenheiten werden zum Schluss mit der Feile nachgearbeitet.
Löcher lassen sich zwar sehr einfach mit einem Nagel einschlagen, doch wird dabei die Umgebung des Lochs stark verbogen. Bei besseren Arbeiten bohrt man daher Löcher mit dem Drillbohrer.
Blechstücke werden auf dreierlei Arten miteinander verbunden: meist werden die Stücke zusammen gelötet. Wer nur kleine Stücke herstellt und keinen Lötkolben besitzt, kann dafür gut die in allen Werkzeughandlung käuflichen Patentlote wählen, denen alles Notwendige bereits beigemischt ist. Es genügt dann, auf die zu verlötende Stelle ein Tröpfchen der Masse aufzustreichen, die Stücke gut und richtig zusammenzuhalten und sie dann in die Flamme des Gasherdes zu halten oder mit dem erhitzten Lötkolben zu überfahren.
Längere gerade Strecken werden zusammengefalzt. Einiges Geschick ist hierfür nötig. Auch ist die Haltbarkeit bei weichem Bleche nicht besonders groß. Bei kurzem Ansatzstellen wird zweckmäßig die Nietung angewandt, so vor allem wo Henkel, Griffe und Ähnliches angebracht werden sollen. Bei kleinen Gegenständen nimmt man die immerhin noch recht harten Eisennieten nicht gern. Kupfernieten, die man sich aus Draht selbst erstellen kann, oder Aluminiumnieten leisten da meist recht gute Dienste.
Bleche aller Art lassen sich durch Treiben in gewölbte oder andere Formen bringen. Kugelig gewölbte Treibhämmer, Punzen aller Größen und Gestalten, als Unterlagen Hartholz, Blei, Gesenke usw. sind für bessere Arbeiten unerlässlich. Doch kann sich der geschickte, findige Bastler mit allerlei einfachen Mitteln behelfen und damit recht brauchbare Arbeiten erzielen.
Als Beispiel einer einfachen Arbeit sei hier die Herstellung eines Trichters beschrieben. Man kann ihn in beliebiger Größe gebrauchen, ganz klein für die Puppenküche, etwas größer für Tinte und Chemikalien, groß zum Füllen von Flaschen. Deshalb sind keine Größenmaße angegeben. Auch seine Form lässt sich natürlich beliebig abändern: er kann steiler, breiter, mit langen oder kurzen Rohransatz her gestellt werden.

 


Einzelteile zum Trichter: A: Regelstück; B: Rohransatz; c: Henkel; D: Durchschnitt; h: Falzverbindung; i: Nietverbindung

 

Zuerst werden die Papierschablonen gezeichnet. Aus einem Kreis A wird durch die Linien a-m und b-m ein Sektor ausgeschnitten, an dem jedoch die Fälze c und d belassen werden. Diese werden wechselseitig umgebogen, dann wird das Blechstück zusammengebogen, die Fälze schiebt man ineinander und klopft sie mit dem Hammer fest zusammen. Das untere, rohrartige Stück sieht in der Zeichnung trapezartig aus (B), auf einer Seite ist ein Lötfalz e zugegeben. Über einen konischen Holzstab, den man sich in genau passender Größe zurecht geschnitzt hat, wird dieses Stück dann gebogen; damit es beim Löten seine Form nicht verschiebt, kann man nach Aufstreichen des Lotes einen dünnen Draht darüberwickeln. Den oberen Teil (A) verbinden wir mit dem unteren ebenfalls durch Lötung. Nun ist noch ein Henkel anzubringen. Er wird aus einem schmalen rechteckigen Stück Blech (C.) hergestellt. Um ihm mehr Festigkeit zu geben, wird ein wenige Millimeter breiter Streifen auf beiden Seiten umgebördelt. Das nimmt auch die Schärfe des Blechs. Dieses Stück wird dann wie der vordere Teil einer 2 gebogen und mit zwei Nieten bei f und g an den oberen Teil des Trichters angenietet.
 



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Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand. Unter Umständen ist hier von Chemikalien die Rede, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie giftig sind. Daher muss du dich auf jeden Fall erst kundig machen, was es mit den einzelnen Chemikalien auf sich hat und welche Sicherheitsvorkehrungen nötig sind, bevor du sie anwendest!
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