Einrichtung zum Bücherbeschneiden

Zum Selbstbeschneiden der Bücher benötigt man 1. eine Beschneidepresse, 2. einen Beschneidehobel, 2. ein Pressknecht, 4. einen Sattel. Letztere ist aber nicht unbedingt notwendig und wird nur der Vollständigkeit halber hier beschrieben.


(Dieses Bild befindet sich noch einmal in Originalgröße im Anhang)

Bei der Beschneidepresse ist eine große Genauigkeit zu beachten, die Hölzer müssen ganz genau rechtwinklig gehobelt und die Löcher für die Schrauben ebenfalls möglichst genau senkrecht gebohrt sein. Ferner dürfen die Löcher im beweglichen Teil nicht zu groß gebohrt sein, der Balken soll wohl recht leicht auf und ab zu bewegen sein, aber wenig Luft haben. Die Schraubenspindel können wesentlich kürzer sein, es lässt sich dann leichter damit hantieren: wer die Beschneidepresse aber auch sonst zum Buchbinden verwenden will, kann die Spindeln ruhig länger machen.
Wer Gelegenheit hat, solche mit Flachgewinde zu bekommen, sollte diesem den Vorzug geben; der Balken läuft bei diesem besser.
In der Hauptsache unterscheidet sich die Beschneidepresse von der gewöhnlichen dadurch, dass sie eine Führungsleiste aus Hartholz aufgeschraubt erhält (s. Abb. 1).
Da beim Beschneiden recht fest gepresst werden muss, empfiehlt es sich, die Balken möglichst kräftig zu wählen, hauptsächlich, wenn man eine größere Lange vorzieht, was bei einer Beschneidepresse zu empfehlen ist.

Zum Beschneidehobel ist gleich vorweg zu sagen, dass die in Abb. 5 gegebenen Maße nicht unbedingt eingehalten werden müssen, die käuflichen Beschneidehobel sind wesentlich größer. Die Abmessungen ergaben sich bei mir dadurch, dass ich das ganze Material einem Brennholzbestand entnahm, und bekanntlich sind die Holzscheite im Allgemeinen 25 cm lang. Im Gebrauch hat sich aber ergeben, dass die gewählte Größe für den Bastler sehr ähnlich ist und auch für alle Fälle genüget; ich habe die gewiss großen Bände der Zeitschrift “Buch für Alle“ damit beschnitten.

Recht genaues Arbeiten ist unerlässlich, die beiden Führungszangen müssten recht genau und senkrecht in das Querholz eingeleimt werden und auch ganz genau parallel stehen. Die Schlitze in dem verschiebbaren Holz stellt man durch Bohren und Ausstemmen her; es soll sich leicht und ohne Klemmen verschieben lassen.

Die Spindel habe ich von Eisen gemacht, ½ Zoll stark; als Mutter kommt in das bewegliche Holz eine etwa 8 mm starke Eisenplatte, die sauber eingelassen und mit zwei versenkten Holzschrauben befestigt wird. Am Ende des Gewindes wird eine Mutter mit einem Stift verbohrt, das Stück, das im Querholz läuft, bleibt ohne Gewinde, das Ende wird zugespitzt und in ein Felsenheft gesteckt, welches an der Zwinge ebenfalls mit einem Stift verbohrt wird.
Wer natürlich leichter zu einer Holzspindel kommen kann, nimmt eine solche; die käuflichen Beschneidehobel haben auch Holzspindeln.

Nun kommt die Hauptsache, das Messer und seine Befestigung. Aus gutem Stahl fertigt man sich nach Abb. 6 ein Messer das recht gut zu härten ist. Wenn es irgend geht, sollte das Messer eine leichte Krümmung nach unten erhalten, dies ist nämlich nicht immer zu erreichen, weil sich der Stahl beim Härten stets verzieht. Wenn es gelungen ist, das Messer gut zu härten und die Krümmung ist dabei verschwunden, so gebe man sich damit zufrieden; eine Krümmung nach oben darf jedoch keineswegs vorhanden sein, diese macht das Messer für unsere Zwecke unbrauchbar.
Eine genaue Vorschrift für das Härten ist schwer zu geben, weil jeder Stahl sich verschieden verhält. Man mache den Stahl nur rotwarm und stoße ihn rasch senkrecht in kaltes Wasser. Dann probiert man, ob er sich mit einer feinen Schlichtfeile angreifen lässt; greift diese gar nicht an, dann ist er Stahl glashart und kann etwas nachgelassen werden, bis die Anlaßfarbe gelb ist, greift die Feile ganz wenig an, so ist er gerade recht, wenn er sich aber leicht feilen lässt, muss nochmals gehärtet werden, und zwar macht man den Stahl etwas wärmer wir zuvor. Empfindlicher Stahl bekommt oft gerne Risse, solche muss man statt in Wasser in Öl abkühlen. Die Schneide wird nun geschliffen und mit dem Abziehstein gut abgezogen.

Die Messerbefestigung fertigt man sich nach Abb. 7 aus Flacheisenstücken; die beiden Seitenplatten heftet man mit versenkten Nieten an; die eigentliche Befestigung erhalten sie mit der Grundplatte zusammen durch die vier versenkten Holzschrauben.
Die Klemmplatte wird an das Messer genau angepasst, so dass dieses mittels der versenkten Metallgewindeschrauben gut festgeklemmt werden kann.
Eine andere Befestigungsart für das Messer ist die, dass man eine lange Schraube mit Flügelmutter nimmt, die durch das ganze Querholz geht und mittels eines angesetzten Vierkantzapfens an die Klemmplatte genietet ist. Durch Anziehen der Flügelmutter an der Oberseite des Hobels lässt sich dann das Messer ebenfalls gut festklemmen, und man hat den Vorteil, keinen Schraubenzieher dazu zu benötigen.
Die ganze Messerbefestigung wird nun an der Unterseite des Querholzes sauber eingelassen, so dass alles vollständig eben ist. Hat man an dem Messer eine kleine Krümmung nach unten zustande gebracht, so befestigt man das Messer bzw. dessen Klemmvorrichtung so, dass das Messer parallel zu den Führungsleisten liegt, ist es aber gerade ausgefallen, so muss man der ganzen Sache eine kleine Neigung nach der Messerspitze zu geben, dies ist unerlässlich, weil man sonst mit dem Hobel nachher nicht wagrecht schneiden kann, hinter dem Schnitt darf das Messer das Papier nicht mehr berühren.

Der Preßknecht wird nach Abb. 2 aus einem Brett hergestellt, seine Höhe richtet sich nach der des Arbeitstisches. Die Auflageleiste schraubt man von hinten mit Holzschrauben an und unterstützt sie noch durch zwei kleine Konsolen.

Der Sattel ist eigentlich nur bei Bearbeitung großer und dicker Bücher notwendig, für den Anfang kommt man gut ohne ihn aus. Als Material verwendet man Hartholz. Genauigkeit erfordert die Führung des Schiebebrettchens und dessen Vorderkante, die genau rechtwinklig sein muss. Wird das Brettchen ganz vorgeschoben, so muss es mit den Enden der Führungen genau bündig sein; die Verbindung der oberen Querhölzer erfolgt durch Leimen. Wenn die Herstellung der schmalen Führungsnuten Schwierigkeiten macht, hilft man sich nach Abb. 4 indem man mit einem beliebigen Nuthobel eine breite Nute einhobelt und diese dann teilweise mit einer eingeleimten Leiste ausfüllt.

Anleitung zum Beschneiden von Büchern mittels des Beschneidehobels

Grundbedingung ist vor allem ein gut geschärftes Messer. Während des Beschneidens überzeuge man sich öfter von dessen Zustand und schleife es, wenn nötig, mit einem kleinen Abziehstein nach, man kann dies leicht, ohne das Messer aus dem Hobel zu entfernen, indem man den Stein zwischen Zeige-,  Mittelfinger und Daumen fasst und ihn bei umgedrehtem Hobel von unten an dem Messer hin und her streicht.
Zum Beschneiden muss das Buch zwischen zwei Brettchen gespannt werden, außerdem muss man ein Stück Pappe unterlegen, damit bei Beendigung des Schnittes das Brettchen nicht zerschnitten wird. Beim Ober- und Unterschnitt muss man so viel Pappe beilegen, dass der Rücken zwischen den Brettchen frei liegt und feinen Druck erhält (Abb. 9).
Das Buch wird zuvor mit Bleistift angezeichnet, wie es beschnitten werden soll, und dann so zwischen die Brettchen gelegt, dass die Vorderkante des oberen Brettchens an dem Bleistiftstrich liegt, das untere Brettchen samt der Mappe wird mit dem Buch bündig gelegt.
Nun kommt alles zusammen in die Presse, und zwar recht vorsichtig, damit sich das Buch nicht verschiebt. Das obere Brettchen muss mit dem Pressbalken bündig sein.
Wenn alles gut liegt, schiebt man das obere Brettchen, ohne das Buch zu verschieben, ein klein wenig von dem Bleistiftstrich ab und zieht dann die Presse an, zunächst aber nur schwach. Erst wenn man sich überzeugt hat, dass sich das Buch in keiner Weise verschoben hat, kann man kräftig zuziehen.
Bei dicken Büchern benützt man nach Abb. 8 den Sattel, um das Buch auszurichten und auf rechtwinklige Lage des Rückens zu kontrollieren.
Nun legt man die Presse auf den Tisch, die Führungsleiste nach oben und unterstützt das hinterer Ende durch den Pressknecht (Abb. 10).
Die Arbeitsstellung ist nun so, dass man sich hinter den Pressknecht stellt und die Presse mit dem Körper gegen den Tisch drückt. Der Hobel wird so weit auseinandergeschraubt, dass das Messer das Buch noch nicht berührt, wenn das bewegliche Querholz nach Abb. 11 an die Führungsleiste gelegt ist. Jetzt fasst man den Hobel mit der linken Hand in der Mitte des beweglichen Querholzes, die rechte Hand hält den Spindelgriff. Man nähert durch Drehen der Spindel die Messerschneide dem Papier und beginnt dann mit dem Schneiden, indem man den Hobel von der Presse abhebt, vor bzw. hinter dem Buch wieder aufsetzt und nun unter gelindem Druck nach unten und gegen die Führungsleiste in flottem Zug an dem Buch vorbeizieht. Dann wird wieder abgehoben und während des Aufsetzens die Spindel ein wenig zugedreht, um das Messer ganz allmählich in das Buch eindringen zu lassen.
Man sei dabei ja nicht zu hastig; lieber ein paar Mal öfter geschnitten, als das Buch durch Einreißen des Messers zu verderben. Das Einreißen kommt auch gerne vor, wenn das Messer stumpf ist, und hauptsächlich bei schlechtem Papier, das dem Zeitungspapier ähnelt. Solches Papier nützt auch das Messer ganz unglaublich ab.

Für die ersten Versuche nimmt man sich ein Buch vor, an dem nicht sehr viel gelegen ist, denn so einfach sich die Sache vielleicht ansieht, einige Übung muss man schon erwerben, ehe man tadellos schneiden kann. Wenn man diese aber hat, und das Papier gut ist, kann man spiegelglatte Schnitte erzielen, wie sie auf keiner Papierschneidemaschine zu erreichen sind. Beim Ober- und Unterschnitt ist es einerlei, ob man zum oder vom Rücken schneidet, ab diesem werden sich immer kleine Unregelmäßigkeiten zeigen, die aber nichts ausmachen, weil sie später vom Kapitalband verdeckt werden.

Wie ich später erfuhr, kennt auch der Fachmann kein Mittel dagegen und nimmt diese Fehler mit in Kauf.

Von Emil K., München

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Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand. Unter Umständen ist hier von Chemikalien die Rede, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie giftig sind. Daher muss du dich auf jeden Fall erst kundig machen, was es mit den einzelnen Chemikalien auf sich hat und welche Sicherheitsvorkehrungen nötig sind, bevor du sie anwendest!
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