Haustelegrafie als Spielversuch - Morseapparat

Eine Telegrafenanlage im eigentlichen Sinne herzustellen, also eine Vorrichtung, mit der man durch Morsezeichen richtig telegrafieren kann, stößt auf ziemliche Schwierigkeiten, weil die dazu erforderlichen Telegrafenapparate mit Elektromagnetsystem, Laufwerk, Papierführung usw. mit einfachen Hilfsmitteln nicht gerade leicht herzustellen und im Handel jetzt sehr teuer sind und dennoch bereitet die Einrichtung einer solchen Anlage als Spielversuch keine besondere Mühe, wenn man darauf verzichtet, die ankommenden Morsezeichen von einem Papierstreifen abzulesen, sie vielmehr mit dem Gehör aufnimmt.

Die Reichspost macht von diesem Hilfsmittel schon seit langen Jahren Gebrauch und verwendet für solche Leitungen anstelle der Schreibempfänger wesentlich einfachere Apparate. Diese geben die Morsezeichen in Klopftönen wieder und heißen deshalb Klopferapparate. Wenn man will, ist jede gewöhnlich elektrische Klingel ein Klopferapparat. Man liest ja im Gasthofzimmer am Druckknopf neben der Tür: einmaliges Drücken: Hausdiener, zweimaliges: Zimmerfrau, dreimaliges: Kellner. Was ist diese Einrichtung weiter als eine Telegrafenanlage mit Gehöraufnahme?

Also vorausgesetzt, zwei Freunde, die im gleichen Hause im 1. und 3. Stockwerk wohnen, wollen zwischen ihren Wohnungen eine telegrafische Verbindung herstellen. Sie brauchen hierzu, wenn die Verbindung nur in einer Richtung arbeiten soll, im wesentlichen nur eine elektrische Klingel und einen Knopf, Gegenstände, die sich wohl in jedem Haushalt überzählig vorfinden. Als Verbindungsleitung kauft man sich billig eine entsprechende Länge altes Armeefeldkabel, das von Fenster zu Fenster an der Hausfront entlanggezogen wird. Das Kabel ist gut isoliert und außerordentlich biegsam, so dass es das Schließen der Ein- und Ausführungsfenster nicht behindert. Mithilfe einer Taschenlampenbatterie wird dann die Verbindung hergestellt.

 

Die Erdleitungen stellt man dadurch her, dass man beiderseits die Drähte mit einer Gas- oder Wasserleitung verbindet. Mit dieser einfachen Einrichtung (reine Klingelschaltung) ist die ganze Anlage fertig. Drückt man auf den Druckknopf, so kann man an der Klingel die Signale abhören. Das Abhören wird erleichtert, wenn man die Klingel nicht mehr rasseln lässt. Dies wird dadurch bewirkt, dass man im Innern der Klingel die Kontaktschraube, gegen die sich die Ankerfeder legt, etwas nach rechts dreht. Sie lässt dann die Unterfeder auch bei angezogenem Anker nicht mehr los, so dass die am Druckkopf getasteten Kurzlangzeichen durch taktmäßiges Klopfen des Klingelankers wiedergegeben werden, genau wie bei dem Klopferapparat der Reichspost.


Soll nun aber die Anlage nach beiden Richtungen hinarbeiten, so bedarf man zweier Klingel, zweier Batterien und zweier Tasten besonderer Bauart, die man sich auf folgende Weise herstellt:
Auf einen Grundbrett wird von einer Holzschrauben mit Halbrundkopf als Batteriekontakt aufgesetzt.

 

 

Ihr gegenüber wird eine gebogene Blattfeder angebracht. Ihr Befestigungspunkt Ist der Leitungskontakt. In halber Entfernung zwischen beiden Kontakten wird ein Blechstreifen aufgesetzt, der nach Abbildung 2c gebogen wird und mit seiner scharfen Schneide in der Mitte gegen die Blattfeder stößt (Apparatkontakt). Man muss nur darauf achten, dass die Blattfeder in der Ruhelage sich fest an den Apparatkontakt anlegt und dass dieser und der Batteriekontakt metallisch-blank sind. die nächste Abbildung macht die Wirkungsweise klar:

 

 

Es empfiehlt sich, das aufgebogene vordere Ende der Blattfeder, den Tastenknopf (Abbildung 2B) mit etwas Handschuhleder oder dergleichen zu isolieren, das heißt zu umwickeln. Mit dieser Schaltung kann man auf einem Draht in beiden Richtungen telegrafieren. Drückt man im 1. Stock auf den Tastenknopf, so spricht der Wecker im 3. Stock an und umgekehrt.

 

Aber wie ist es nun mit dem Telegraphieren selbst? Das richtige Geben und noch mehr das Abhören der Zeichen erfordern ziemliche Übung. Aber auch diesen Schwierigkeiten läßt sich begegnen. Es ist nur nötig, dass sich der Geber zunächst den zu telegraphierenden Text in die Morseschrift übersetzt und in Punktstrichform auf ein Blatt Papier aufzeichnet. Nach diesen Aufzeichnungen läßt sich dann ohne weiteres telegraphieren. Man merke: Buchstaben haben bis vier Teile, Zahlen haben fünf und Satzzeichen sechs Teile.

Der Empfänger zeichnet die ankommenden Strichpunktzeichen zunächst ebenfalls als Striche und Punkte auf ein Blatt Papier auf, was keinerlei Übung erfordert und übersetzt die Zeichen alsdann in gewöhnliche Schrift.

Schon nach kurzer Zeit erhält man im Gebrauch der Zeichen eine solche Übung, dass man dieses Behelfsmittels nicht mehr bedarf. Zur Probe folgende Unterhaltung:

 




Zu "Feldübungen" im Freien montiere man beide Stationen auf Holzbretter und verbinde sie mit Feldkabel, das man in den Straßengraben legt. Als Erdleitung benutzt man zwei möglichst tief in die Erde gestoßenen Eisenstäbe. In solchen Fällen ist es mitunter nötig, die Batterie zu verstärken, man muss also auf jeder Station mehrere Taschenbatterien hintereinander schalten. Man tut dies, indem man das lange Federende der einen Batterie mit dem kurzen der nächsten verbindet und so fort. Zum Anlegen von Erde und Batteriekontakt dienen alsdann die frei bleibenden Federn der ersten und letzten Batterie.

 

Morsecode:


Buchstaben
A     · −
B     − · · ·
C     − · − ·
D     − · ·
E     ·
F     · · − ·
G     − − ·
H     · · · ·
I     · ·
J     · − − −
K     − · −
L     · − · ·
M     − −
N     − ·
O     − − −
P     · − − ·
Q     − − · −
R     · − ·
S     · · ·
T     −
U     · · −
V     · · · −
W     · − −
X     − · · −
Y     − · − −
Z     − − · ·
   
Ziffern
0     − − − − −
1     · − − − −
2     · · − − −
3     · · · − −
4     · · · · −
5     · · · · ·
6     − · · · ·
7     − − · · ·
8     − − − · ·
9     − − − − ·
   
Sonder- und Satzzeichen Zeichen
À, Å     · − − · −
Ä     · − · −
È     · − · · −
É     · · − · ·
Ö     − − − ·
Ü     · · − −
ß     · · · − − · ·
CH     − − − −
Ñ     − − · − −
. (AAA)     · − · − · −
, (MIM)     − − · · − −
:     − − − · · ·
;     − · − · − ·
? (IMI)     · · − − · ·
-     − · · · · −
(     − · − − ·
)     − · − − · −
'     · − − − − ·
=     − · · · −
+     · − · − ·
/     − · · − ·
@ (AC)     · − − · − ·
   
Signale Zeichen
KA (Spruchanfang)     − · − · −
BT (Pause)     − · · · −
AR (Spruchende)     · − · − ·
VE (verstanden)     · · · − ·
SK (Verkehrsende)     · · · − · −
SOS (internationaler (See-)Notruf)     · · · − − − · · ·
HH (Fehler; Wiederholung ab letztem vollständigen Wort)     ·

 


 



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Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand. Unter Umständen ist hier von Chemikalien die Rede, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie giftig sind. Daher muss du dich auf jeden Fall erst kundig machen, was es mit den einzelnen Chemikalien auf sich hat und welche Sicherheitsvorkehrungen nötig sind, bevor du sie anwendest!
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